Der Wilthener Fußball ist bunt

von Andreas Lieske

Die Gegner der Wilthener A-Junioren staunen oft, wenn sie aus der Kabine kommen, denn zu unserer Mannschaft gehören seit einigen Monaten mehrere junge Asylbewerber. Immer wieder hören wir dann die Frage: „Kann das funktionieren?“. Und JA es funktioniert hervorragend, denn Fußball verbindet.

Im Frühjahr standen zwei junge Asylbewerber aus der Neukircher Unterkunft für unbegleitete minderjährige Asylbewerber bei uns am Trainingsplatz und schauten hoffnungsvoll dem Training unserer Nachwuchsmannschaften zu. Wir luden sie ein, bei unserer A-Jugend mit zu trainieren, was bei ihnen viel Freude hervor rief. Von Beginn an fühlten sich die jungen Asylbewerber so sehr wohl bei uns, so dass ihre Freunde aus der Neukircher Unterkunft schon kurze Zeit später hinzukamen. Da die Jungs erst dabei sind, Deutsch zu lernen, ist die Kommunikation eine große Herausforderung für unsere Trainer. Aus diesem Grund gehört die Taktik-Tafel als Hilfsmittel zu jedem Training und allen Spielen dazu. Aber die jungen Asylbewerber lernen mit Unterstützung der Mitspieler und Trainer sehr schnell Deutsch, so dass die klassischen Fußballbegriffe auch bei ihnen schnell Einzug halten. Mittlerweile sind 11 junge Asylbewerber aus Afghanistan, Eritrea, Guinea und Somalia Mitglied in unserem Verein und spielen in der A- und B-Junioren mit viel Energie und Freude. Besonders ihre Zuverlässigkeit und der faire und respektvolle Umgang miteinander zeichnen die Jungs aus. In Wilthen sind seitdem viele Brücken geschlagen worden und Freundschaften entstanden.

Natürlich wird das Thema Asylbewerber auch bei uns im Verein diskutiert, da nicht alle eine identische Meinung zu diesem Thema haben. Einige änderten ihre Meinung jedoch bereits, als sie die ersten Kontakte mit den jungen Asylbewerbern hatten. So hat einer der jungen Asylbewerber schon bei den Spielen der zweiten Männermannschaft mitgewirkt. Zum Nachdenken sollte uns anregen, dass für viele tschechische und polnische Fußballer Geld bezahlt wird, damit sie in unserer Region Fußball spielen. Es stört sich auch niemand daran, wenn sich unseren Vereinen Spieler anschließen, die unsere Hautfarbe haben. Bestes Beispiel dafür, dass und wie es funktioniert, ist unsere deutsche Nationalmannschaft deren Slogan sogar lautet „Wir sind Vielfalt“. Somit sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder, der an unsere Tür klopft, willkommen ist. Auch mit diesen Argumenten haben wir in Wilthen schon den Einen oder Anderen zum Umdenken gebracht.

Sehr schön zu sehen ist, dass in einigen Vereinen im Westlausitzer Fußballverband die Integration junger Asylbewerber ähnlich gelebt wird, wie bei uns in Wilthen. So gehören z.B. beim SV Oberland Spree, oder bei der SpG SV Zeißig / SpVGG Lohsa-Weißkollm / LSV Bergen junge Asylbewerber ebenfalls zum Stamm der Mannschaften und werden ins Vereinsleben integriert.

Ein kleiner Wehrmutstropfen muss jedoch auch erwähnt werden. Von der Beantragung bis zur Erteilung der Spielerlaubnis für die jungen Asylbewerber vergehen oft zwei Monate, da der Passantrag beim SFV erst bearbeitet wird, wenn alle Formulare eingereicht sind und das sind Einige (Passantrag, Kopie amtliches Ausweisdokument, Antrag auf internationale Freigabe…), die vor allem die Vereine überfordern, welche erstmals das Spielrecht für einen Asylbewerber beantragen. Dazu kommt die Frist für die Freigabe des Heimatlandes der Asylbewerber (die wohl bei keinem der Anträge jemals eingegangen ist), welche einen Monat beträgt. Auch die Kosten für die Beantragung der Spielerlaubnis, die mit über 14 € fast sechsmal so hoch ist, wie bei einem Neuantrag für einen deutschen Nachwuchsfußballer sind eine finanzielle Belastung für die Vereine. Hier wünschen wir uns mehr Verständnis und Unterstützung vom Sächsischen Fußballverband.

Wir freuen uns sehr, wenn unser Beispiel der Einbindung junger Asylbewerber positiv wahrgenommen wird, denn unsere Meinung ist, dass genau so Integration funktioniert. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir den Jugendlichen helfen können, in unserem Land anzukommen und sich hier wohl zu fühlen, denn wir wünschen uns, wenn wir anderswo zu Gast sind auch, dass wir nette Gastgeber haben. Nicht zu vergessen ist, dass die jungen Asylbewerber einen absoluten Mehrwert für unseren Verein bedeuten.

Frank Ahnert
SG Wilthen
Stellvertretender Vorsitzender

 

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