Tagebuch Tag 5

von Gojko Sinde

9.ewag Kamenz Ferienfußballcamp, 21. – 28.Juli 2019 - Fuhlendorf am Darß / Tagebuch - Tag 5

Nach einstündiger Fahrt, einem kurzen Weckruf im Regio-Schlitten um 0:23 Uhr entfesselten sich die jeweiligen Busnachbarn aus den ineinander geratenen Schlafpositionen und keiner brauchte zu seiner Ruhestätte im Seeigel mit Helfern befördert werden. Verschlafen ging es mit Zähne putzen (Hinweis für zu Hause wichtig!) dann in die Waagerechte, um sich nach einem langen Tag zu regenerieren. Träumten die einen, sie wären mit Klaus Störtebeker noch auf hoher See, stellten andere beim Aufwachen beruhigt fest, dass der Frühsport heute nur ein Alptraum blieb. Erst acht Uhr wurde zum leckeren morgendlichen Genuss gerufen. Danach ging es ruhig weiter, denn bereits die Frühstückseier, über die sich nicht nur einer freute, hätte man in der Sonne in wenigen Minuten in den gewünscht festen Zustand bekommen. Nach einer schriftlichen Aufgabe für alle ewag – Camper wurden in den vier Gruppen im Stationsbetrieb wieder Sieger ermittelt, um heute Abend bei der größten Siegerehrung der Seeigel – Geschichte die mitgebrachten Kisten etwas zu entlasten. Dass sich diese Preise bester Beliebtheit erfreuen, zeigte sich darin, dass in den Auswertungen des besten Spielers des Vormittags ausschließlich die Trainer an Nr. 1 standen. Sonnenstich kann es nicht sein, denn sie haben meist Kopfschutz auf und bewegen sich fast ausschließlich im Schatten.

Teile der Küchencrew sorgten während dessen für Nachschub in den leer gewordenen Ecken der Kühlschränke, die Campleitung bildete einen Spähtrupp, um eventuell doch noch eine Herberge zu finden, welche den Untergang des Seeigels für 2020 ertragbarer macht. Doch es ist wahnsinnig schwierig, was zu finden. Entweder sahen wir Einrichtungen, in die wir nur mit ABC-Vollschutz und Nasenklammer ziehen müßten, oder trafen wir Inhaber, die nach unserer Wahrnehmung die Kommastellen der anfallenden Kosten deutlich zu weit nach rechts rückten. Zwar sind wir im WFV stolz, die Ostsächsische Sparkasse neben der ewag Kamenz als Hauptsponsor zu haben, doch Kredite können wir nicht aufnehmen. Mal sehen, was das tägliche Stromern nach einer neuen Herberge noch bringt.

Mittags gab es wieder ausreichend Kohlenhydrate, um für die sechs Stationen am Nachmittag gewappnet zu sein. Eine Portion saure Eier, Kartoffeln, Mischgemüse machte natürlich auch jemanden besonders glücklich. Der aufmerksame Leser wird den Namen auch aus hundert verschiedenen Vorschlägen sofort auf den Lippen haben. Während der Verladung der Zutaten aus den Töpfen vom Büffet auf die Teller der hungrigen Fußballer bemerkte man eine leichte aufkommende Aggressivität des Küchenchefs. Nach dem Einholen von Informationen über plaudernde Stellen seines Personals kam heraus, dass er zum einen mit dem heutigen Eintreffen unseres WFV-Pressemanns harschen Gegenwind für seine Provokationen Richtung Heimat erwartet und dann auch noch sein Personal für Hitzefrei über einen gewerkschaftlichen Streik nachdenkt. Aus Sicht des Autors bleiben nur zwei Lösungen: Für den Erstgenannten nochmals Schnitzel besorgen und zur Beruhigung im eigenen Spülstall auf warme Mahlzeiten verzichten. Unberührt von diesen internen Querelen und Personaldiskussionen begann Josel mit den Vorrunden, um den Boccia – König des Camps 2019 zu ermitteln.

Nach einer halbstündigen Mittagsruhe gab es die nächsten Camp – Wettkämpfe, die zumeist darauf ausgelegt waren, der gleißenden Sonne zu entgehen. Mit Seilspringen, Ball über die Schnur, wahlweise Volleyball, Tischtennis, sowie „1 gegen 1“ wurden wiederum die sechs Gruppenbesten gesucht. Hinzu kam die viel umjubelte und unbedingt erwartet Bingo-Station von Camp - Opa Josel. Begeistert er sonst in den Wintermonaten wahrscheinlich in südlichen Fünfsterne – Resorts die Senioren, zieht ihnen das Geld als Rentenunterstützung aus der Tasche, machte er hier an der Küste aus dem TV-Raum eine mexikanische Würfelbude. Zum Glück hatte das Ordnungsamt mit den vielen Falschparkern an den Strandübergängen genug zu tun, denn sonst wäre unser Seeigel-Spielhölle wegen illegalen Glücksspiels bestimmt frühzeitig geschlossen worden. Für Opa hätten wir nicht mal die Mittel, um ihn auf Kaution wieder ins Camp zu holen.

Statt der sechs Gruppen hätte dieser Nachmittag beinahe nur mit fünf durchgeführt werden können. Die Weißen vom Jung – Trainer folgten der Anweisung nach dem Mittag, in die Bungalows zu gehen. Als sie mit 15 Minuten Verspätung zur Einweisung erschienen, ergab sich allen jungen und älteren Zeugen ein einheitlicher Meinungsstand: 1:12 für die ewag-Camper. Während der angehende Student auf seiner Version beharrte, ergaben die voneinander unabhängigen Aussagen der Kids, dass der Ansage: Bungalow, Sportsachen an - die Anschlussaktion: Treffpunkt 14 Uhr abhanden gekommen war. Zur Ehrenrettung muss man aber hier festhalten, dass Tony heute mehrfach vorbildlich seinen Job machte. Verbrüderung gegen die Campleitung mit seinen älteren Kollegen, als sie wie schon erwähnt, Gruppensieger werden und Preise einheimsen wollten, sowie sein Dienst am Kugelschreiber für den heimatlichen Gruß an unsere WFV-Unterstützer zeigten, dass er auf einem guten Weg ist. Hinzu kam ein persönliches, öffentlich vorgetragenes Lob vom Camp-General, den unser Trainer in Ausbildung während der Planung des Frühsports für Freitag auf den Nullbestand von Fahrrädern aufmerksam machte, somit eine Fehlplanung verhindert und er Ruf des Oldies gerettet wurden.

Das Duschen unter kühlem Leitungs - Nass sorgte für eine nächste Erfrischung. Vor dem Abendessen fand der mehrfach angekündigte Marathon der Siegerehrungen statt. Selbst noch eine vom Fußballgolf am Sonntag wurde nachgeholt, nach dem unser Senior – Trainer seinen Auswertungszettel der Campleitung nachträglich übergab.

Dass unsere Küchencrew lernfähig ist, bewiesen sie teilweise beim Abendbrot. Hauptsächlich war das Büffet wie an Wochentagen bei Muttern: Schnitte mit verschiedensten Belägen zur Auswahl. Die enorme Belastbarkeit stellte das Personal, welches mittags noch an Arbeitsverweigerung dachte, dann wiederholt unter Beweis. Neben allem Kalten gab es trotzdem Soljanka im Angebot. Außentemperatur ü 35 Grad, Küchentemperatur ü 40 Grad. Vielen Dank euch fleißigen Bienen. Ich hoffe, der Zwist zwischen anreisendem WFV-Mann und eurem Spülbeckenchef belastet euch nicht zu sehr. Dass es aber Folgeschäden gibt war zu Beginn der Abendmahlzeit spürbar. Die Zahnräder griffen im Geschirrstudio nicht ganz ineinander und prompt konnten wir statt der geplanten Uhrzeit 17:30 Uhr erst 17:32 Uhr an die reichlich gefüllten Tabletts.

Heiß ersehnt war dann der abendliche Strandsturm. Wegen eben erwähnter Verzögerung zwar zwei Minuten zu spät, aber endlich in den weichen Ostseesand, die überhitzten Glieder ins blaue Meer, die Seele baumeln lassen, dabei den Tag ausklingen lassen. Wegen der Touri – Massen wählten wir heute nach zwei Trainingseinheiten bei tropischen Temperaturen die abendliche Ostsee - Variante, um ungestört toben zu können. Das hatten wir uns alle verdient! Da wir uns zu so später Stunde der Überwachung des DLRG nicht sicher waren, wollten wir uns aus der Küchen – Splittergruppe ein Mitglied borgen und ihre langjährigen theoretischen, praktischen Kenntnisse der Wasserwacht Elstra nutzen. Einziger Unterschied zu den Bädern in Burkau, dervMassenei und Buschmühle wäre für sie, dass sie den gegenüberliegenden Becken- oder Badestrand nicht sehen würde. Deshalb galt wie immer: Nur so weit die Erwachsenen im Wasser sind und maximal bis unter die hier stets trainierten Brustmuskeln.

Da diese genannte Baywatch – Nixe aber noch mit Abwaschen beschäftigt war, übernahmen die Trainer, Opa, Campleitung und Busfahrer diesen wichtigen Aufgabenbereich. Ging auch, wobei uns rote Badehosen mit DLRG auf dem sportlichen Allerwertesten auch gut gestanden hätte. Auf dem Heimweg bremste uns kurz die gezogene Brücke zwischen Bodden und Ostsee ein, doch für alle war es imposant, dieses Schauspiel mal zu beobachten. Dabei muss auch angemerkt werden, dass so einige ewag Camper durch diese Woche erstmals an der Ostsee sind. Wir freuen uns, in die glücklichen Kinderaugen blicken zu können.

Das Eintreffen unsers WFV-Pressefuzzies sorgte kurzfristig gegen 21 Uhr für einen Flashmob. Heimlich, still und leise hatte der Küchenchef die jungen Abnehmer seiner warmen und kalten Gaben instruiert, mit Schildern ausgestattet, die ihn zum sofortigen Wenden gen Sachsen überzeugen sollte. Dem Ganzen setzte der Gesang: „Du kannst nach Hause fahrn.“ Noch die Krone auf. Trotz Drohung wartete dann aber mit Schnitzel, Spiegelei obendrauf auf Schnitte sein Leibgericht auf ihn, so dass die beiden bei Sonnenuntergang wieder Frieden für die letzten Camptage 2019 geschlossen hatten. Beim letzten Büchsenlicht über Fuhlendorf ermittelete Opa Josel dann noch mittels zwei Halbfinals, kleinem und großen Finale die Sieger des Tischtennisturniers.

Deshalb ging es heute etwas verspätet, kurz nach 22 Uhr in die Kojen, um morgen wieder mit dem Frühsport in den Tag zu starten.

Euer Tagebuch-Team (Bilder A.L.BZ.WFV)

Das Tagebuch mit aktuellen Bildern gibt es auch auf www.wf-verband.de – der Internetseite des Westlausitzer FV e.V.

PS 1: Wir nerven die Seeigel – Chef´s permanent mit einem tollen Vorschlag für 2020, dass wir hier wenigstens zum zehnten Durchgang wieder einziehen können. Sie müssten doch für Rentenzuschüsse dankbar sein.

PS 2: Einheit – Uli provozierte heute bis Mittag im weißen Gladbach – Trikot. So manch Trainer wollten schon mit dem abreisenden Besuch aus Sachsen den Heimweg antreten. Zum Glück hat sich unser rot-weißer Senioren -Dribbelkünstler wahrscheinlich mit einer der beiden mittäglichen, roten Nudelsaucen bekleckert, denn am Nachmittag trat er obenrum wieder unauffälliger auf.

PS 3: Ein Riesendank vom Autor an die gesamte Betreuer-Crew. Drei Frauen und zehn Männer kümmern sich 24 Stunden um jegliche Belange unseres wertvollen, zu beaufsichtigenden Jung - Personals. Nach dem wir nun in der zweiten Halbzeit der Campwoche sind, wünsche ich uns allen, dass es so Unfallfrei weiter geht.

PS 4: Danke für die Info, dass der Geheimbesuch gut zu Hause angekommen ist. Ab morgen dann hier erste Infos zum Sonntag, da ja so manch Camper seinen Platz im Bus frei lassen wird.

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